Hans Hengerer

Winzer, Weine, Originale

Nein – einer, der allen nach dem Munde redet und stets im Mittelpunkt stehen muss, ist Hans Hengerer gewiss nicht. Eher nachdenklich, eigenwillig, kantig mitunter, geht er seinen Weg, und der steht kompromisslos im Zeichen der Qualität. „Ich will, dass meine Weine für sich sprechen“, sagt er. Am glücklichsten ist Hengerer, Jahrgang 1967, wenn er draußen in der Natur bei seinen Reben sein kann.

Nach der Weinbautechniker-Ausbildung ließ sich der Fußballfan längere Zeit in Südafrika den Duft der großen weiten Welt um die Nase wehen, dann ging’s zurück in den elterlichen Betrieb nach Heilbronn. Hengerer: „Wenn die Familientradition im Weinbau bis 1418 zurück reicht, stellt sich die Frage nach der Berufswahl nicht wirklich. Aber ich habe meine Entscheidung nie bereut.“ Heute werden zehn Hektar Rebland bewirtschaftet, zu 60 Prozent mit roten Sorten bestockt. Einen Großteil seiner Weine füllt der „Schwabe durch und durch“ ganz trocken ab, viele Rotweine sogar unfiltriert.

Hans Hengerers große Stärke ist der Spätburgunder, den er wegen der Eleganz und Finesse besonders schätzt. Sein Junges Schwaben –Wein setzt alljährlich den Maßstab und lässt manchen Kollegen aus der Bourgogne blass aussehen. Die Akribie, mit der Hengerer seine Reben am Rande der Großstadt Heilbronn pflegt und mit der er im Keller arbeitet, schlägt sich in der hohen Qualität des gesamten Sortimentes nieder. Gewollt niedrige Erträge sorgen für Extraktreichtum.

Bei der Sortenwahl stehen die Klassiker im Mittelpunkt, aber neben Riesling, Trollinger, Lemberger und Muskateller findet sich zum Beispiel auch ein reizvoller Cabernet Franc im Angebot. Mit Neuzüchtungen hingegen hat Hans Hengerer gar nichts am Hut. Die Weine mit dem stilvollen Etikett des Hauses, übrigens nach wie vor ausnahmslos mit Naturkork verschlossen, sind auf Langlebigkeit angelegt. Keine Blender, die schnell Eindruck machen, sondern charakterstarke Gewächse, die Zeit brauchen, bis sie sich öffnen und ihre wahre Qualität zeigen. Ein bisschen spiegeln sie so ihren Schöpfer wider.

 
2017 Spätburgunder Junges Schwaben trocken, Weingut Kistenmacher & Hengerer

2017 Spätburgunder Junges Schwaben trocken
Weingut Kistenmacher & Hengerer

Boden: Keuperverwitterung
Vinifikation und Ausbau: Selektive Handlese, 21 Tage Maischegärung, 22 Monate Reifung im kleinen Holzfass, der Wein wurde unfiltriert abgefüllt.
Alkohol: 13,5 %
Restzucker: 1,8 g/l
Säure: 5,4 g/l

Farbe: Kirschrot, strahlend.

In der Nase: Der Wein duftet nach Himbeeren, Erdbeeren, Cassis, Blaubeeren, Brombeeren, Kirsche, Mandeln, Pfeffer und Gewürzen, abgerundet durch eine feine Holznote, Vanille und Schokolade.

Am Gaumen: Nuancen von Schokolade, Brombeeren, Kirsche, Cassis, Pfeffer, Vanille, Gewürzen und Nelke. Schöne Dichte mit einer feinen Säure, feine Tannine und einer feinen Holznote. Saftig und elegant.

Fazit: Hans Hengerer glänzt in seinem Element, dem Spätburgunder. Selten verspürte ich bei seinem Spätburgunder so viel Eleganz, Grazie und Finesse bei gleichzeitiger Kraft, Länge, Komplexität und Struktur. Der 2015 Spätburgunder Junges Schwaben ist ein gutes Beispiel dafür, wie Hans Hengerer den Spätburgunder in seinem Herzen trägt. Lagern!

Kurz & Knapp: Finessenreicher Spätburgunder mit Noten von Kirsche, Cassis, Pfeffer und Gewürzen. Ein anmutiges Kraftpaket.

Verkostungsnotizen von Evangelos Pattas, Sommelier und Inhaber des Restaurants Délice in Stuttgart sowie "Sommelier des Jahres 2007"