Sven Ellwanger

Winzer, Weine, Originale

Der stets gut gelaunte Sven Ellwanger, Sprössling einer Remstäler Winzerdynastie mit fast 500 Jahren Tradition, ist der jüngste der fünf Freunde von „Junges Schwaben“ – und vielleicht der experimentierfreudigste. Mit 27 Hektar Rebfläche ist das 1975 vom Vater Bernhard gegründete Weingut in den beiden vergangenen Dekaden stark gewachsen und inzwischen das größte unter den Junges Schwaben-Betrieben. Von seinen Lehr- und Wanderjahren hat Diplom-Oenologe Sven, Jahrgang 1975, aus Neuseeland den Sauvignon Blanc mitgebracht. Seinen (meist schnell ausverkauften) Signaturwein Junges Schwaben widmet er deshalb stets dieser Sorte. Aber bei Sven Ellwanger kann es auch passieren, dass er einen Kerner im Barrique ausbaut, den Namen „KING“ aufs Etikett schreibt und die entzückte Kundschaft bei der Probe erst mal raten lässt, was drin ist in der Flasche…

Was Besuchern des Weingutes schnell auffällt, ist der „gute Geist“, der positive Familiensinn, die im Haus herrschen – wobei manche meinen, dieser Geist höre auf den Namen Ingrid. Sven Ellwangers Mutter würde wohl ganz bescheiden auf Tochter Yvonne oder Schwiegertochter Melanie verweisen. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte zwischen den Dreien.

Seit dem Kellereineubau 2005/2006 in Weinstadt-Großheppach ist Ellwangers „Spielwiese“ noch ein Stück größer geworden. Die unterschiedlichen Bodenformationen und Kleinklimata in den Weinbergen der Familie zwischen Kleinheppach und Schorndorf sorgen im Verbund mit der großen Rebsortenvielfalt im Betrieb für viele, viele kleine Gebinde im nach den Gesetzen der Schwerkraft angelegten neuen Keller. Die besten Fässle sind dem Nachwuchs der Geschwister Sven und Yvonne Ellwanger gewidmet – den Kindern Lilli, Emil, Greta, Emma und Carla. Ehre, wem Ehre gebührt.

Sven Ellwanger weiß: „Meine Kundschaft ist sehr anspruchsvoll und immer offen für neue Ideen und Kreationen.“ Unlängst legte er zwölf Ar mit Rotem Riesling an, einer Rückmutation der bekannten Sorte, die er über selbst gezogene Edelreiser vermehrt hat – und tat ihn nach der Lese ins Holzfass. Alle Weißweine werden übrigens inzwischen spontan vergoren in Großheppach. Weitere Zukunftspläne? – „Klar, haben wir! Aber über ungelegte Eier rede ich nicht“, sagt Sven Ellwanger. Und grinst verschmitzt.

 
2016 Sauvignon Blanc Junges Schwaben trocken, Weingut Bernhard Ellwanger

2016 Sauvignon Blanc Junges Schwaben trocken
Weingut Bernhard Ellwanger

Boden: Stubensandstein
Vinifikation und Ausbau: neun Monate Spontangärung in 300 l und 500 l Holzfässern, im Anschluss fünf Monate Ausbau im Edelstahltank auf der Feinhefe.
Alkohol: 13,0 %
Restzucker: 2,9 g/l
Säure: 6,4 g/l

Farbe: goldgelb, strahlend

In der Nase: Litschi, Pfirsich, Aprikose, Zitrusfrüchte, Limettenschale, Ananas, Bananenschale, Passionsfrucht, Mango, Stachelbeeren, Cassis, grüner Paprika, Mandarine, Orange, grasig, Basilikum, eine feine Holznote und rauchig.

Am Gaumen: Limette, Grapefruit, Passionsfrucht, Ananas, Mango, exotische Früchte, Litschi, dezent Vanille, stoffig, lang, feines Holz, elegant, saftig, rauchig, cremig, feine Mineralität, dicht und komplex

Resümee: Ein Sauvignon Blanc mit Tiefe und Komplexität. Hier ist Sven Ellwanger ein Sauvignon Blanc mit Charakter, Eleganz und Komplexität gelungen. Das Holz ist sehr gut integriert, der Wein wirkt komplex und hat dennoch eine sehr feine Struktur.

Verkostungsnotizen von Evangelos Pattas, Sommelier und Inhaber des Restaurants Délice in Stuttgart sowie "Sommelier des Jahres 2007"